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Es schien, als hätte Kraft ihn als den idealen Babysitter entdeckt. Er
hatte seine Kinder die ganze letzte Woche über in Köln behalten und
fand, dass es sich gut für alle Beteiligten traf. Er wusste sie in sicherer
Obhut, bei Muschalik konnte keine Langeweile in seinem neuen
Lebensabschnitt aufkommen, und Rosa in Wiesbaden hielt ihn für
einen guten Vater, der nicht nur an seine Karriere dachte. Die Zwill-
inge durften in Muschaliks Küche so viel Chaos anrichten, wie sie
wollten. Wenn sie nicht mehr begehbar war, gingen sie in den Zoo,
schauten den Elefanten bei der täglichen Dusche zu und passten die
Fütterungszeiten der Seelöwen und Paviane ab. Bei Regen pressten sie
im Aquarium ihre Nasen an dickes Panzerglas, hinter dem Krokodile
und
Piranhas
lauerten,
oder
gingen
im
Regenwald
auf
Entdeckungsreise.
Betty hätte sie gemocht, sie wäre stolz auf ihn gewesen. Aber immer
öfter ertappte er sich bei dem Gedanken: Wann kommt Rosa nach
Köln? Er hatte nichts dagegen, eine Übergangslösung für Krafts Fami-
lienprobleme zu sein, aber er wollte nicht der einfache Weg sein.
Manchmal war Frau Kruse, Muschaliks Nachbarin, der rettende
Anker. Sie nahm regen Anteil an seinen Kinderbesuchen, lieh gerne
Zucker und Mehl und hatte viele Tricks parat, wenn ein Rezept nicht
gelingen wollte.
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Frau Kruse hatte außer einem großen kölschen Herzen noch einen
fetten, alten Kater, der Köbes hieß, den ganzen Tag unbeweglich auf
der Fensterbank lag und über die Florastraße wachte. Köbes hasste
Besuch. Wenn die Zwillinge an der Haustür klingelten, stellte er sich
drohend auf und fauchte wie ein Panther, sodass Tim und Tom nicht
wagten, die Wohnung zu betreten.
Heute hatte Kraft die Zwillinge für den Nachmittag angekündigt,
weil eine Dienstbesprechung im Präsidium auf dem Plan stand.
Muschalik wollte mit ihnen zum ersten Mal auf den Nordfriedhof ge-
hen, denn der 27. Juli war Bettys Geburtstag. Sie hätte wahrscheinlich
gesagt, dass ein Friedhof nichts für Kinder sei. Aber gefreut hätte sie
sich. ›Das wäre aber doch nicht nötig gewesen.‹
So blieb ihm der Vormittag für den Zoo. Es regnete, wie er mit
einem prüfenden Blick durch das Küchenfenster erkannte. Wieder
einmal. Wo kommen nur all diese Wolken her, fragte er sich und
nahm seinen karierten Knirps mit.
Als er die Stammheimer Straße überquerte und die Häuserreihe
hinunterblickte, fiel ihm plötzlich Frau Berta Heimbach wieder ein.
Ob sie ihn wohl wiedererkennen würde? Sieben Jahre waren seit der
Sache mit der Wohnung vergangen. Ob sie überhaupt noch lebte?
Hatte sie vielleicht etwas gehört, in der Nacht, in der Ben Krämer
starb? Warum war er nicht früher darauf gekommen sie zu besuchen
und zu fragen?
Als Muschalik vor dem roten Haus mit der Nummer 84 stand, sah
er hoch. Es war schmal und hatte weiße Fenstersimse und Balkone.
Das obere Stockwerk war ein Dachgeschoss mit zwei weißen
Dachgauben und einem Balkon.
Und alles fiel ihm wieder ein, seine Enttäuschung, sein Zorn und
Bettys Verständnis, die Wohnung, der Blick.
Auf dem Namensschild stand immer noch Heimbach, Muschalik
klingelte und nach einiger Zeit wurde ihm geöffnet.
Berta Heimbach hatte sich kaum verändert. Sie war immer noch die
zierliche Dame, die etwas wacklig auf ihren dünnen Beinen im
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Türrahmen stand und freundlich lächelte. Sie erkannte ihn nicht so-
fort, aber als er von früher sprach, kam die Erinnerung zurück.
»Es tut mir immer noch Leid, das müssen Sie mir glauben«, sagte
sie und bat Muschalik herein.
»Ach, Schwamm drüber«, sagte Muschalik, »Hauptsache, es geht
Ihnen gut.«
Sie führte ihn über die dunkle, quadratische Diele in die einfach ein-
gerichtete Wohnküche. Der Blick auf den Zoo war durch eine vergilbte
Gardine versperrt.
»Und ich habe jetzt auch einen Pfleger.«
»Das freut mich.«
»So ein netter Mann, zuvorkommend und geduldig. Ein echter
Schatz.«
»Dann haben Sie sich ja damals richtig entschieden.«
»Ja, das habe ich wohl. Nur Sie und Ihre Frau … haben Sie denn in-
zwischen was Passendes gefunden?«
»Ja.« Als Muschalik ihr von Bettys Tod berichtete, setzte sie sich
mühsam auf einen Küchenstuhl und verzog dabei vor Schmerzen das
Gesicht. Sie faltete ihre knochigen Hände im Schoß und sah ihn mit-
fühlend an.
»Dann sind Sie ja jetzt ganz allein«, sagte sie. Ihre Stimme zitterte.
»Ja, aber ich komme zurecht.«
Muschalik musste immer wieder zum Fenster sehen. Hinter der
Gardine standen ein paar Topfpflanzen.
»Haben Sie auch von dem Unfall im Bärengehege gehört?«
»Ja. Im Fernsehen habe ich einen Bericht gesehen. Lesen kann ich
nicht mehr gut. Bären sind und bleiben eben wilde Tiere. Das darf [ Pobierz całość w formacie PDF ]

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